Foto von Jakub Żerdzicki
Ein Bericht ist kein Datenabzug. Er ist eine Entscheidungsvorlage.
Der Unterschied klingt nach Wortklauberei und kostet trotzdem jedes Jahr Budget. Wer Zahlen abliefert, liefert Arbeit ab. Wer eine Entscheidung vorbereitet, liefert einen Grund, weiterzumachen oder etwas zu lassen. Nur das zweite wird gelesen.
Ein Dashboard beantwortet keine Frage
Der Live-Link auf das Dashboard ist gut gemeint. Jeder kann jederzeit nachsehen, alles ist transparent, niemand muss auf einen Bericht warten. In der Praxis öffnet ihn niemand, und das liegt nicht an mangelndem Interesse.
Ein Dashboard zeigt einen Zustand. Es sagt nicht, ob dieser Zustand gut ist, woran er liegt und was jetzt zu tun wäre. Diese drei Antworten muss sich jeder Betrachter selbst erarbeiten, und genau dafür hat er dich. Ein Bericht ist deshalb kein Auszug aus dem Werkzeug, sondern ein Standpunkt zu einem Zeitpunkt: Das ist passiert, das bedeutet es, das schlage ich vor.
Das Dashboard bleibt trotzdem nützlich. Es ist dein Arbeitsgerät für die Frage, ob gerade etwas kippt. Der Bericht ist das Ergebnis deiner Arbeit damit. Wo die Zahlen im Werkzeug überhaupt herkommen und wie du sie liest, ohne Technik studiert zu haben, klärt der Beitrag zu den Web-Analytics.
Der Empfänger entscheidet, was drinsteht
Ein Bericht für dich selbst sieht anders aus als einer für die Geschäftsführung. Für dich zählt der Verlauf: Welche Anzeige hat sich verschlechtert, welcher Beitrag lief besser als erwartet, wo lohnt sich ein Test. Diese Ebene ist wichtig, aber sie gehört in deine Wochenroutine, nicht in die Vorlage für den Chef.
Oben interessieren drei Dinge: Was hat es gekostet, was ist dabei herausgekommen, und wo liegt das Risiko. Alles, was du berichtest, sollte auf eine dieser drei Fragen einzahlen. Reichweite tut das nur, wenn du sie mit etwas verbindest, das nach Geld aussieht.
Das ist keine Anbiederung, sondern Übersetzung. Der Geschäftsführer denkt in Aufträgen, Kapazität und Liquidität. Wenn du in Impressionen berichtest, muss er selbst übersetzen, und beim dritten Mal hört er auf. Wie ein Inhaber Marketing führt, ohne in jede Kampagne hineinzuregieren, und was er dafür von dir braucht, steht im Beitrag darüber, dass Marketing Chefsache ist.
Drei Zahlen, jede mit einem Vergleichswert
Drei Zahlen wirken wenig. Sie sind das Maximum dessen, was in einem Meeting hängen bleibt.
Welche drei, hängt an deinem Ziel und an dem, was du überhaupt sauber erheben kannst. Für die meisten Mittelständler funktioniert eine Kombination aus Anfragen, Kosten pro Anfrage und einer Zahl, die den Weg dahin beschreibt, etwa dem Anteil der Anfragen, die aus der Suche kommen. Welche Kennzahl zu welchem Ziel gehört und woran du eine brauchbare erkennst, steht im Kapitelartikel zu den Marketing-Kennzahlen. Wenn deine Datenlage dünn ist, gilt die pragmatische Variante aus dem Beitrag darüber, wie du Erfolg misst, ohne auf perfekte Daten zu warten.
Entscheidend ist der zweite Teil: Jede Zahl braucht einen Vergleichswert. 42 Anfragen sind keine Aussage. 42 Anfragen gegenüber 31 im Vormonat und 45 im Vorjahresmonat sind eine. Ohne Bezug ist eine Zahl nur eine Behauptung mit Nachkommastelle, und der Leser muss dir glauben, statt zu verstehen.
Der Vergleich darf ruhig unbequem sein. Ein Wert, der drei Monate hintereinander seitwärts läuft, sagt mehr über deine Lage als der beste Einzelmonat.
Ohne Empfehlung ist es nur ein Datenabzug
Der häufigste Fehler ist der Bericht, der mit einer Beobachtung endet. Die Kosten pro Anfrage sind gestiegen, sagt der Bericht, und dann nichts mehr. Damit hast du die Frage an den Tisch weitergegeben, und am Tisch sitzen Leute, die weniger über den Sachverhalt wissen als du. Das Ergebnis ist eine Diskussion, in der jeder eine Meinung hat und niemand eine Grundlage.
Also schreib die Empfehlung hin, auch wenn du dich damit angreifbar machst. Genau dafür wirst du bezahlt.
Ein konstruiertes Beispiel: Die Kosten pro Anfrage sind von 60 auf 95 Euro gestiegen, weil eine Kampagne seit sechs Wochen dasselbe Motiv zeigt. Vorschlag: zwei neue Motive testen, das Budget bis zum Ergebnis auf dem aktuellen Stand halten, in vier Wochen erneut berichten. Drei Sätze, eine klare Richtung, eine Frist. Über so etwas kann jemand entscheiden. Über eine Beobachtung kann man nur reden.
Zur Empfehlung gehört, was du dafür brauchst. Wenn die Antwort Geld, Zeit oder eine Entscheidung von jemand anderem lautet, gehört das in denselben Absatz. Ein Bericht, der Bedarf verschweigt, produziert im nächsten Monat dieselbe Zahl.
Die schlechte Zahl steht oben
Der Reflex ist verständlich: erst die guten Ergebnisse, dann irgendwo im hinteren Teil die Kampagne, die nicht funktioniert hat. Wer so berichtet, erzeugt beim Empfänger genau einen Gedanken, sobald er es merkt. Was verschweigt er noch?
Die schlechte Zahl gehört nach vorn, mit Erklärung und Vorschlag. Das kostet einmal Überwindung und zahlt dauerhaft auf deine Glaubwürdigkeit ein. Wer schlechte Nachrichten selbst meldet, behält die Deutungshoheit über seine eigenen Zahlen. Wer wartet, bis jemand anderes sie findet, verliert sie.
Dazu gehört auch, Zufall als Zufall zu benennen. Ein Monat mit einer viralen Anfrage ist kein Trend, und du tust dir keinen Gefallen, wenn du ihn als einen verkaufst. Im Folgemonat sieht die Zahl schlechter aus, obwohl deine Arbeit dieselbe war.
Gleiches Format, gleicher Termin, jeden Monat
Ein Bericht, der jedes Mal anders aussieht, muss jedes Mal neu gelesen werden. Das ist der stille Grund, warum Reportings ignoriert werden: Sie kosten den Empfänger Aufwand.
Halt deshalb Aufbau und Reihenfolge fest und ändere sie ein halbes Jahr lang nicht. Vier Teile reichen: Was war geplant, wie stehen die drei Zahlen, was folgt daraus, was brauche ich. Eine Seite. Wenn du eine zweite brauchst, gehört der Rest in den Anhang, den niemand lesen muss.
Der Termin gehört genauso fest wie das Format. Ein monatlicher Bericht am dritten Werktag ist eine Routine, ein Bericht auf Nachfrage ist eine Rechtfertigung. Der Unterschied ist erheblich: Im ersten Fall berichtest du, im zweiten verteidigst du dich.
Der nächste Bericht beginnt mit dem letzten
Eine Empfehlung ohne Nachverfolgung ist ein Vorschlag, den niemand mehr erwähnt. Deshalb steht im nächsten Bericht als Erstes, was aus der letzten geworden ist: umgesetzt, verschoben oder abgelehnt, und mit welchem Ergebnis.
Das erzeugt zwei Effekte. Erstens siehst du selbst, ob deine Einschätzungen taugen. Wer drei Monate hintereinander vorhersagt, dass ein neues Motiv die Kosten senkt, und dreimal daneben liegt, hat ein Problem mit seinen Annahmen und nicht mit dem Budget. Zweitens werden abgelehnte Vorschläge sichtbar. Wenn eine Empfehlung dreimal verschoben wurde und die Zahl seitdem fällt, muss das niemand vorwerfen. Es steht einfach da.
Das ist der Punkt, an dem aus einem Bericht ein Gespräch wird, das jeden Monat weiterläuft, statt jedes Mal von vorn anzufangen. Und es ist der Schutz vor dem Vorwurf, man habe ja nichts kommen sehen.
Was du weglässt, entscheidet über die Wirkung
Der Fleißnachweis ist die größte Versuchung. Zwölf Beiträge, drei Newsletter, zwei Kampagnen: Das zeigt Aktivität und beantwortet keine der drei Fragen von oben. Wer Menge berichtet, wird an Menge gemessen, und das ist eine Falle, aus der du im nächsten Quartal nicht mehr herauskommst.
Weg dürfen außerdem: Erklärungen von Kennzahlen, die der Empfänger nicht braucht, Bildschirmfotos aus Werkzeugen, jede Zahl ohne Konsequenz. Der Test ist einfach. Wenn sich an deinem Vorschlag nichts ändert, egal wie diese Zahl ausfällt, gehört sie nicht in den Bericht.
Was bleibt, ist kurz genug, dass es gelesen wird, und konkret genug, dass jemand danach etwas entscheidet.
TL;DR | Wer berichtet, entscheidet mit
Ein Bericht ist kein Nachweis, dass du gearbeitet hast. Er ist der Moment, in dem dein Marketing steuerbar wird.
Drei Zahlen mit Vergleichswert, eine Empfehlung mit Frist, eine Seite, jeden Monat im selben Aufbau. Die schlechte Nachricht nach oben, den Fleißnachweis raus. Wer so berichtet, bekommt keine Zustimmung aus Höflichkeit, sondern Entscheidungen. Und Entscheidungen sind das Einzige, was einen Bericht rechtfertigt.