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Der häufigste Fehler beim Schreiben mit KI ist eine Verwechslung. Der erste Output wird für ein Ergebnis gehalten.
Er ist ein Rohstoff. Fachlich meistens korrekt, sprachlich sauber, im Ton glatt und in der Aussage weichgespült. Er sagt nichts Falsches und nichts, was wehtut. Wer ihn so veröffentlicht, hat nicht schneller publiziert, sondern nur schneller nichts gesagt.
Dieser Beitrag behandelt nicht, welche Themen du wählst oder welches Format wann trägt. Das steht im Content-Marketing. Hier geht es um die Frage danach: Wo in deinem Redaktionsprozess die Maschine tatsächlich hilft, und wo sie dir den Text ruiniert. Es ist der Anwendungsfall, an dem sich entscheidet, ob KI im Marketing bei dir Substanz erzeugt oder nur Volumen.
Warum der erste Entwurf immer glatt ist
Ein Sprachmodell erzeugt den wahrscheinlichsten nächsten Satz. Wahrscheinlich heißt: durchschnittlich. Was du bekommst, ist der Mittelwert aus allem, was zu deinem Thema je geschrieben wurde.
Der Mittelwert hat eine Eigenschaft, die im Marketing tödlich ist. Er ist nie falsch und nie interessant. Er wägt ab, wo eine Entscheidung nötig wäre. Er nennt drei Vorteile und einen Nachteil, weil das ausgewogen wirkt. Er endet mit dem Satz, dass es am Ende auf die individuellen Anforderungen ankommt.
Deine Kunden erkennen das inzwischen. Nicht analytisch, sondern am Gefühl, den Text schon einmal gelesen zu haben. Und sie haben recht damit, denn sie haben ihn schon einmal gelesen, nur bei jemand anderem.
Daraus folgt die Arbeitsteilung, die den ganzen Rest dieses Artikels trägt. Die Maschine liefert Tempo und Fleiß. Du lieferst Haltung, Fakten und Urteil. Wer diese Aufteilung aufgibt, bekommt Texte, die im Wettbewerbsumfeld nicht auffallen, weil der Wettbewerb dieselbe Maschine benutzt.
Dein Prozess ändert sich nicht, nur die Besetzung
Die gute Nachricht: Du brauchst keinen neuen Ablauf. Der Weg, den jeder Beitrag durchläuft, bleibt derselbe, den dein Redaktionsplan ohnehin vorgibt. Thema, Briefing, Produktion, Korrektur, Freigabe, Veröffentlichung, Auswertung.
Was sich ändert, ist die Besetzung einzelner Stationen.
Thema. Bleibt bei dir. Themen kommen aus Kundengesprächen, Suchanfragen und Vertriebsnotizen, nicht aus einem Chatfenster. Was die Maschine hier beitragen kann, ist die Vorarbeit, und das behandelt die Recherche mit KI getrennt.
Briefing. Bleibt bei dir und wird wichtiger als je zuvor. Das Briefing ist der Prompt. Wie er aussehen muss, steht im Prompting.
Produktion. Hier arbeitet die Maschine, und hier spart sie tatsächlich Zeit. Gliederung, erster Entwurf, Varianten einer Überschrift, das Aufbrechen einer zähen Passage.
Korrektur. Geteilt. Rechtschreibung, Wiederholungen und zu lange Sätze findet die Maschine zuverlässig. Ob der Text stimmt, findet sie nicht.
Freigabe. Bleibt bei dir, ohne Ausnahme. Wer freigibt, haftet.
Veröffentlichung und Auswertung. Unverändert. Daran ändert KI nichts.
Von sieben Stationen betrifft die Maschine also zwei ganz und eine halb. Das ist weniger, als die Werbung verspricht, und mehr, als es klingt: Es sind genau die Stationen, an denen Texte in kleinen Marketingabteilungen liegen bleiben.
Zwei Schritte gibst du nie ab
Zwei Dinge kann dir keine Maschine abnehmen, und beide entscheiden über die Qualität.
Den Standpunkt. Die Maschine kennt deine Kunden nicht. Sie war beim Reklamationsgespräch nicht dabei, sie weiß nicht, welches Argument im Vertrieb zieht und welches Widerspruch auslöst, und sie hat keine Meinung darüber, was in deinem Markt Unsinn ist. Genau diese Sätze sind es, wegen derer ein Beitrag gelesen wird. Sie musst du hineinschreiben, und zwar von Hand.
Ein Test dafür: Streich jeden Satz, den auch dein Wettbewerber schreiben könnte. Was übrig bleibt, ist dein Artikel. Ist nichts übrig, war es keiner.
Die Fakten. Modelle erfinden Details, wenn ihnen welche fehlen, und sie tun es im selben ruhigen Ton wie alles andere. Eine Jahreszahl, eine Norm, ein Studienergebnis, ein Zitat. Die Regel dagegen ist unbequem und einfach: Jede Zahl und jede Quelle in deinem Text muss aus einer Datei oder einer Seite stammen, die du selbst geöffnet hast. Nicht aus dem Modell.
Diese Regel kostet dich zwanzig Minuten pro Beitrag. Sie ist der Grund, warum du weiterhin veröffentlichen kannst, ohne nachts über Gegendarstellungen nachzudenken.
Wo die Maschine wirklich stark ist
Untertrieben wird meistens dort, wo KI unspektakulär gut ist.
Kürzen. Ein Text, der 1.800 Wörter hat und 1.200 haben soll, ist Handarbeit, die niemand gern macht. Die Maschine macht sie in Sekunden und ohne Eitelkeit. Sie hängt an keiner Formulierung, weil sie nächtelang daran gefeilt hat.
Gliedern. Aus einer Materialsammlung eine Struktur bauen, bevor der erste Satz steht. Das ist der Schritt, an dem die meisten Beiträge scheitern, und der, an dem die Maschine am zuverlässigsten hilft.
Die Zweitmeinung. Der unterschätzteste Einsatz überhaupt. Leg deinen fertigen Text vor und frag: Was behauptet dieser Text, ohne es zu belegen? Welcher Absatz sagt nichts? An welcher Stelle würde ein skeptischer Leser aussteigen? Das ist Redaktionsarbeit, die dir sonst niemand macht, wenn du in einem kleinen Team sitzt.
Das Übertragen in andere Formate. Aus einem Beitrag werden mehrere, und der Aufwand dafür ist stark gesunken. Was daraus wann sinnvoll wird, steht allerdings weiterhin im Content-Marketing, nicht im Chatfenster. Die Maschine übersetzt gern in fünf Formate, auch wenn zwei davon niemand braucht.
Vier Textsorten, die du gar nicht erst abgibst
Bisher ging es um Arbeitsschritte. Es gibt daneben ganze Textsorten, bei denen die Frage nach dem Prozess sich erübrigt.
Kundenstimmen und Fallbeispiele. Ein generiertes Zitat ist keine Abkürzung, sondern eine erfundene Aussage über einen echten Menschen. Wer ein Testimonial „ausformulieren“ lässt, weil der Kunde nur drei Stichworte geliefert hat, steht schneller in einem ernsten Problem, als ihm lieb ist. Frag lieber nach.
Entschuldigungen und Krisenkommunikation. Eine generierte Entschuldigung ist schlechter als gar keine. Sie klingt exakt so, wie sie entstanden ist, und der Empfänger merkt es. Wenn etwas schiefgelaufen ist, schreibst du selbst.
Alles, was persönliche Erfahrung behauptet. „Wir haben in zwanzig Jahren gelernt“ ist ein Satz, der nur trägt, wenn dahinter tatsächlich etwas gelernt wurde. Die Maschine erfindet hier bereitwillig eine Vergangenheit, die es nicht gab.
Rechtlich verbindliche Texte. Datenschutzhinweise, Widerrufsbelehrungen, Garantieaussagen. Nutz die Maschine, um zu verstehen, worum es geht. Formulieren lässt du das nicht.
Das Muster hinter allen vieren ist dasselbe: Sobald ein Text eine Aussage über die Wirklichkeit macht, für die du geradestehst, hört die Delegierbarkeit auf.
Woran Leser KI-Text erkennen
Ein paar Merkmale tauchen so verlässlich auf, dass sie sich als Prüfliste eignen. Findest du zwei davon in deinem Entwurf, ist er noch nicht fertig.
Der Einstieg beginnt mit der Bedeutung des Themas statt mit dem Thema. „In der heutigen schnelllebigen Geschäftswelt“ und alle Verwandten.
Alles kommt in Dreiergruppen. Drei Vorteile, drei Tipps, drei Adjektive hintereinander. Die Maschine liebt Dreier, weil sie ausgewogen wirken.
Der Text wägt ab, wo er entscheiden müsste. Jede These bekommt sofort ihre Relativierung mit auf den Weg.
Es gibt keine Beispiele, die jemand erlebt haben könnte. Stattdessen Kategorien: „viele Unternehmen“, „häufig zeigt sich“.
Und am Ende steht eine Zusammenfassung statt eines Schlusses. Ein Absatz, der wiederholt, was oben stand, und niemanden zu etwas auffordert.
Die Gegenmittel sind unspektakulär. Streich den ersten Absatz. Ersetz eine Kategorie durch einen konkreten Fall aus deinem Haus. Nimm eine Relativierung heraus und lass die These stehen. Schreib den letzten Absatz selbst.
Was das für deine Zeitrechnung bedeutet
Rechne nicht damit, dass ein Beitrag nur noch ein Viertel der Zeit kostet. Rechne damit, dass sich die Zeit verlagert.
Weniger Zeit für den leeren Bildschirm, den ersten Entwurf und das Kürzen. Mehr Zeit für Prüfen, Zuspitzen und für die Frage, ob der Text überhaupt etwas behauptet. Unterm Strich bleibt ein Gewinn, aber er ist kleiner als versprochen und er liegt woanders, als die meisten erwarten.
Der eigentliche Vorteil ist ohnehin ein anderer. Nicht dass ein Beitrag schneller fertig wird, sondern dass er überhaupt fertig wird. In kleinen Marketingabteilungen scheitert Content selten an der Qualität und fast immer daran, dass zwischen Kundenterminen kein Nachmittag für einen leeren Bildschirm übrig ist.
Und wenn der Text dann steht, geprüft und mit belegten Aussagen: Genau diese Eigenschaften entscheiden inzwischen auch darüber, ob du in KI-Antworten überhaupt sichtbar wirst. Die Sorgfalt zahlt zweimal.
TL;DR | Der Rohtext ist der Anfang der Arbeit, nicht ihr Ende.
Dein Redaktionsprozess bleibt, nur die Besetzung ändert sich: Produktion und Kürzen kann die Maschine, Standpunkt und Fakten nie. Streich jeden Satz, den dein Wettbewerber auch schreiben könnte. Prüf jede Zahl gegen eine Quelle, die du selbst geöffnet hast. Was dann noch steht, ist dein Text.


