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Ein wachsender Teil der Kaufrecherche endet nicht mehr auf einer Ergebnisliste, sondern in einer Antwort. Kein Klick, keine zehn blauen Links, ein Absatz mit drei genannten Anbietern. Wer darin nicht vorkommt, verliert Reichweite, ohne dass in seinem Analytics-Konto irgendetwas Alarm schlägt.
Um diese Verschiebung ist innerhalb weniger Monate eine Beratungsbranche entstanden, die dir Positionen in KI-Antworten verkauft. Bevor du dort Geld ausgibst, solltest du eine Untersuchung kennen.
Es gibt keine Rankings. Punkt.
Rand Fishkin von SparkToro wollte belegen, dass die gesamte Branche Unsinn verkauft. Zusammen mit Patrick O’Donnell von Gumshoe.ai hat er dazu im Januar 2026 eine Untersuchung veröffentlicht, die in dieser Diskussion bis dahin fehlte. 600 Freiwillige stellten im November und Dezember 2025 insgesamt 2.961 Anfragen an ChatGPT, Claude und Googles KI-Antworten. Zwölf Anfragen nach Markenempfehlungen aus verschiedenen Kategorien, jede davon 60 bis 100 Mal pro System wiederholt.
Das Ergebnis für die Rangfrage ist eindeutig. Fast jede Antwort war einzigartig: andere Marken, andere Reihenfolge, sogar eine andere Anzahl von Nennungen. Die Wahrscheinlichkeit, bei zwei Durchläufen dieselbe Liste zu bekommen, liegt unter eins zu hundert. Dieselbe Liste in derselben Reihenfolge: unter eins zu tausend. Und das galt auch in engen Märkten mit wenigen Anbietern.
Fishkins Einordnung fällt entsprechend deutlich aus: Wer dir eine Rangposition in KI-Antworten meldet, verkauft dir Unfug.
Bemerkenswert ist, wer das schreibt. Der Mitautor arbeitet bei einem Anbieter, der genau solche Werkzeuge verkauft. Wenn ein Befund gegen das eigene Geschäftsmodell läuft, ist er in der Regel belastbar. Die beiden weisen selbst darauf hin, dass sie keine ausgebildeten Forscher sind und die Arbeit kein Peer-Review durchlaufen hat. Sie fordern ausdrücklich zur Wiederholung auf. Auch das spricht eher für als gegen die Zahlen.
Und trotzdem ist der Effekt real
Hier hören die meisten Zusammenfassungen auf. Dabei kommt der interessantere Teil danach, denn Fishkin hat seine eigene Ausgangsthese zur Hälfte widerlegt.
Über hunderte Durchläufe hinweg zeigte sich nämlich ein stabiles Muster. Bei einer Anfrage nach Kopfhörern tauchten dieselben Hersteller in 55 bis 77 Prozent aller Antworten auf. In einem engen Markt wie Volvo-Händlern in Los Angeles oder Cloud-Anbietern für SaaS-Startups war die Menge der berücksichtigten Anbieter klein und über die Durchläufe hinweg konstant. In einem weiten Feld wie neu erschienenen Science-Fiction-Romanen streute sie stark.
Übersetzt heißt das: Es gibt keine Position, aber es gibt eine Zugehörigkeit. Du bist entweder Teil der Menge, aus der die Maschine schöpft, oder du bist es nicht. Das ist keine Feinjustierung um drei Plätze, sondern ein Ja oder Nein.
Wie deutlich der Unterschied ausfällt, zeigt ein Vergleich aus derselben Arbeit. In der engen Kategorie erreichten die Spitzenanbieter Sichtbarkeitswerte von 90 bis 100 Prozent. In einer weiten Kategorie, der Suche nach Designagenturen, lagen die besten Werte bei 30 bis 40 Prozent.
Für ein Unternehmen mit vierzig Mitarbeitern und einem klar umrissenen Angebot ist das eine gute Nachricht. In deiner Kategorie geht es nicht um tausend Wettbewerber. Es geht um sechs. Genau dort ist der Effekt am stabilsten und am ehesten zu erreichen.
Dazu passt ein zweiter Befund aus derselben Arbeit. Die Freiwilligen sollten dieselbe Absicht in eigenen Worten formulieren, und sie taten es auf drastisch unterschiedliche Weise. Die sprachliche Ähnlichkeit zwischen ihren Anfragen lag bei 0,081, praktisch also bei null. Menschen tippen keine Stichworte mehr, sie erklären ihre Lage, nennen Bedingungen und schildern ihren Fall.
Trotzdem lieferten die Systeme über all diese Formulierungen hinweg ähnliche Gruppen von Anbietern. Die Absicht hinter der Formulierung wird also recht zuverlässig erkannt.
Für dich heißt das: Die Frage nach der einen richtigen Anfrage, auf die du optimieren solltest, ist die falsche Frage. Es gibt sie nicht. Es gibt nur die Absicht, und es zählt, ob du in ihrem Umfeld verlässlich auftauchst.
Was eine Quelle zitierfähig macht
Die Forschung dazu ist älter als der Hype. Der Begriff stammt aus einer Arbeit von 2023, an der Princeton, Georgia Tech, das Allen Institute for AI und das IIT Delhi beteiligt waren. Die Autoren haben an 10.000 Anfragen systematisch geprüft, welche Eigenschaften eines Textes seine Chance erhöhen, in generierten Antworten aufgegriffen zu werden. Vier Faktoren tragen bis heute.
Die Antwort steht vorn. Nicht im zwölften Absatz, sondern im ersten Satz des jeweiligen Abschnitts. Kein Anlauf, keine Einordnung der Bedeutung des Themas, keine Rückversicherung. Wenn eine Maschine einen Absatz herausschneidet, muss er allein verständlich sein.
Nachprüfbare Angaben schlagen Meinung. Zahlen mit Quelle, Datum, Herkunft. Genau die Sorgfalt, die ohnehin in die Content-Erstellung gehört. Sie zahlt hier ein zweites Mal.
Abgeschlossene Passagen. Ein Abschnitt, der drei Rückverweise auf vorherige Absätze braucht, wird nicht zitiert, weil er sich nicht herauslösen lässt.
Konsistenz über das Web hinweg. Firmenname, Leistungsbeschreibung und Standort sollten überall gleich lauten, auf deiner Website, in Verzeichnissen, in Fachbeiträgen, in Bewertungen. Modelle arbeiten mit Entitäten, nicht mit Keywords. Widersprüchliche Angaben verwässern die Entität.
Ein Vorbehalt gehört dazu. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen schwankt je nach Fachgebiet erheblich, das steht in der Arbeit selbst. Nimm die Faktoren als Richtung, nicht als Rezept.
Das ersetzt deine SEO-Arbeit nicht
Ein verbreitetes Missverständnis lautet, KI-Sichtbarkeit sei eine neue Disziplin neben der Suchmaschinenoptimierung. Sie ist eine Ebene darüber.
Antwortmaschinen greifen weiterhin auf indexierte Inhalte zurück. Was nicht gefunden, geladen und verstanden wird, kann auch nicht zitiert werden. Eine saubere Website-Struktur und funktionierende Onpage-Optimierung sind damit nicht überholt, sondern Voraussetzung.
Der Unterschied liegt woanders. Klassisches SEO fragt: Auf welchem Platz stehe ich? Diese Frage hat hier keine Antwort mehr. Die neue Frage lautet: Gehöre ich zu der Menge, aus der geschöpft wird?
Prüf außerdem eine technische Kleinigkeit, die überraschend oft übersehen wird: ob die Zugriffe der KI-Anbieter auf deiner Website überhaupt erlaubt sind. Manche Betreiber haben sie irgendwann pauschal gesperrt, ohne die Folge zu bedenken. Wer nicht gelesen wird, wird nicht zitiert.
Wie du prüfst, ob du vorkommst
Aus der Studienlage folgt direkt eine Messmethode, und sie unterscheidet sich grundlegend von der Rangverfolgung.
Stell eine Frage nicht einmal, sondern zwanzig bis dreißig Mal, jeweils in einem neuen Chat. Formulier sie dabei unterschiedlich, so wie echte Menschen es tun. Nicht „Anbieter Sondermaschinenbau“, sondern die drei oder vier Varianten, in denen deine Kunden das Problem tatsächlich beschreiben.
Dann zähl eine einzige Zahl: In wie vielen Antworten kommt dein Unternehmen vor? Nicht an welcher Stelle. Nur ob.
Diese Häufigkeit ist deine Kennzahl. Sie ist grob, sie schwankt, und sie ist trotzdem die einzige, die etwas bedeutet. Zwei von dreißig sind ein Befund. Achtzehn von dreißig sind ein anderer. Wiederhol die Messung einmal im Quartal, nicht wöchentlich, denn unterhalb dieser Frequenz misst du nur das Würfeln.
Nützlich ist außerdem die direkte Nachfrage. Frag das System, warum es andere Anbieter nennt und dich nicht, und welche Quellen es dabei heranzieht. Die Antwort ist keine Wahrheit, aber sie zeigt dir regelmäßig, welche Verzeichnisse, Fachportale und Bewertungsseiten in deiner Kategorie zitiert werden. Auf denen bist du dann meistens nicht vertreten.
Was du daraus machst
Der ehrliche Stand im Juli 2026: Das Feld ist jung, die Werkzeuge sind unausgereift, und die Beratungsangebote versprechen mehr Präzision, als technisch existiert. Die Daten oben stammen zudem aus dem Spätherbst 2025, und die Systeme haben sich seither verändert.
Deshalb keine Panik und kein Budget für Ranking-Berichte. Stattdessen drei Dinge.
Erstens: Miss einmal, ehrlich, mit der Methode oben. Du weißt dann, ob du ein Problem hast.
Zweitens: Schreib so, dass Antworten vorn stehen und Aussagen belegt sind. Das nützt deinen Lesern ohnehin und ist die einzige Maßnahme, die auch dann noch richtig ist, wenn sich die Systeme wieder ändern.
Drittens: Sorg dafür, dass es dich außerhalb deiner eigenen Website gibt. Fachbeiträge, Verzeichnisse, Bewertungen, Erwähnungen. Die Menge, aus der geschöpft wird, entsteht nicht auf deiner Startseite.
Das ist unspektakulär und deckt sich mit dem, was KI im Marketing insgesamt kennzeichnet. Die Technik ändert sich schnell. Was zu tun ist, ändert sich langsam.
TL;DR | Rangpositionen in KI-Antworten gibt es nicht. Zugehörigkeit gibt es sehr wohl.
Dieselbe Anfrage liefert fast jedes Mal eine andere Liste, aber die führenden Anbieter einer Kategorie tauchen zuverlässig auf, in engen Märkten besonders stabil. Miss deshalb Häufigkeit statt Position, dreißig Anfragen statt einer. Und schreib Texte, die vorn antworten und ihre Zahlen belegen. Wer nicht zitierbar ist, wird nicht zitiert.


